Wildegg,

Förderplanung für Lehrpersonen

Das Kinderlied "Mini Farb und dini" hat mich zu diesem Text veranlasst. Immer mehr Kinder haben Mühe in der öffentlichen Schule, es gibt immer mehr Kinder die Nachhilfe brauchen, um in der Schule mitzukommen, damit sie irgendwann eine gute Ausbildung bekommen und im Leben bestehen können. Der Text beschreibt einen anderen Weg - den Weg der Vielfalt und Eigenständigkeit und echter Bildung


In all meinen Texten ist es mir wichtig, dass ich wertschätzend gegenüber allen Menschen bleibe. Auch wenn ich ab und zu mich pointiert ausdrücke, um etwas zu verdeutlichen. Ich hoffe, es gelingt mir auch diesmal, mich wertschätzend auszudrücken, obwohl es mir momentan beim Thema Bildung nicht leicht fällt.

Schon seit meiner Kindheit wird im Lied ^mini Farb und dini^ die Schönheit des Regenbogens besungen, der nur so schön ist, weil alle Kinder eine andere Farb haben – eben jede/r anders als der/die andere ist.

S isch si Farb, s isch si Farb, s isch si Farb.
Mini Farb und dini, das git zäme zwee,
wäred’s drü, vier, fünf, sächs, siebe,
wo gärn wettet zämebliibe,
git’s en Rägeboge, wo sich laht lah gseh,
git’s en Rägeboge, wo sich cha lah gseh.

Wenn ein Kind wirklich anders ist – eine Beeinträchtigung, eine andere Muttersprache oder einfach nur beim Rechnen nicht dem Klassendurchschnitt erreicht, muss das Kind gleich gefördert werden. Damit ist in unserem Schulsystem nicht gemeint, es werden die Stärken gefördert. Nein, es heisst die Schwächen müssen weggefördert werden. Dabei bestätigt mir jede Lehrperson, dass alle Kinder so verschieden sind und dass das gut ist. Dieser Gedanke scheint verloren zu gehen, wenn ein Kind schlechte Leistung in einem Bereich zeigt. Dann kommt die Förderplanung ins Spiel. Es werden Ziele erarbeitet, welche das Kind bis dann und dann erreichen soll, damit es sich wieder sich bilden lassen kann, gleichgeschaltet mit den anderen Kindern. Und plötzlich ist die wunderbare Vielfalt ein Förderbedarf, welche beseitigt werden muss. Im Lehrplan 21 werden bei der Förderplanung die Kinder einbezogen, aber nur solange sie nicht ein Ziel haben wie «ich möchte am schnellsten Rennen können» oder «ich möchte ein Roboter erfinden, der meine Hausaufgaben macht». In dem Fall wissen Lehrpersonen oft nicht, wie sie reagieren sollen. Sie loben das Ziel und lenken mit geschickten Fragen auf Ziele, die auch im Lehrplan stehen.

Das geschah nicht vor dreissig Jahren, das geschieht heute, währenddessen sich die Schulen «integrative Schule» nennen.

Für mich stellt sich immer mehr die Frage, wer in diesem integrativen Schulsystem eine Förderplanung braucht. Meiner Meinung nach sind es nicht die wunderbar vielfältigen Kinder, die alle einzigartig sind, neugierig und motiviert zum Lernen. Ja sie haben richtig gehört, alle Kinder sind motiviert zum Lernen, zu ihrer Zeit und zu den Themen, die sie interessieren – glauben Sie mir es gibt noch so viel mehr Themen als Rechnen und Schreiben, welche Kinder im Leben nützlich sind.

Es sind die Lehrpersonen, die eine Förderplanung brauchen, damit sie mit dieser Vielfalt an Kindern, an Stärken und Interessen verstehen lernen und damit umgehen können. Es kann doch nicht sein, dass sich die unglaublich eigenständigen Kinder anpassen müssen, damit die Lehrpersonen ihnen, den Stoff beibringen können, den sie gelernt haben zu lehren.

Es ist an der Zeit, dass sich die Lehrpersonen Ziele setzen – gefördert werden – damit sie lernen die Vielfalt und Stärken der Kinder zu unterstützen und nicht Defizite zu verringern.

Es ist Zeit – Es ist Zeit, dass Lehrpersonen lernen, dass die Eltern nicht nur auf dem Papier, sondern auch in Tat und Wahrheit die «Experten ihrer Kinder» sind. Eltern und Lehrpersonen sollen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten – auf Augenhöhe. So haben die Kinder die Chance zu eigenständigen, motivierten und nicht zuletzt leistungsfähigen Persönlichkeiten zu werden. In einer Vielfalt, die gemeinsam unsere Gesellschaft stärkt.